Initianten
Die Initianten dieses sozialen Projektes in Chokri in Ost-Tibet sind unsere Mutter, Yischi Tsedön Dagsay und unser Vater Dagsay Rinpoche.
Unsere liebe Mutter war eine aussergewöhnliche Frau, die mit ihrer offenen Art und ihrer ansteckenden Lebensfreude viele Menschen in der Schweiz dazu gewinnen konnte unser Projekt in Tibet zu unterstützen.
Als sie im März 2002 verstarb war es ihr grosser Wunsch, dass wir drei Töchter, Dechen, Dolkar und Dega die Klinik für die Tibeter in Chokri aufrecht erhalten und weiterhin unterstützen. So gründeten wir zusammen mit unserem Vater Dagsay Rinpoche und unseren Schweizer Freunden im Juni 2002 den Verein „Freunde der Tsedön Klinik in Osttibet“ und freuen uns, dass es uns bisher gelungen ist, die Projekte unserer Eltern in Tibet weiterzuführen und sogar noch zu erweitern.
Wo findet man diesen Ort in Tibet
Die Tsedön Klinik befindet sich in Gehweite des wieder aufgebauten Chokri Klosters, in der Nähe des Dorfes Chokri in der Region von Tehor in Ost-Tibet, das ausserhalb der TAR der Tibet Autonomous Region liegt und politisch zu China eingegliedert wurde. Es ist das Gebiet der Tehor Khampas und zeichnet sich durch eine besonders schöne Landschaft aus. Die Anreise erfolgt in der Regel über Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Szechuan.
Für die Reise von Chengdu (500 m über Meer) nach Chokri (3700 m über Meer) sollte man mindestens zwei Tage einrechnen um die gewaltige Höhendifferenz besser verarbeiten zu können. Die Distanz von Chengdu nach Chokri beträgt ca. 450 km und die Fahrt erfolgt mehrheitlich auf asphaltieren Strassen. Um nach Chokri zu gelangen fährt man bis nach Drango oder Luho, wie es auf chinesische genannt wird. Von Luho fährt die Strasse weiter in ein wunderschönes Seitental wo man entlang dem Fluss nach ca. 1 ½ Stunden in dem Dorf Chokri ankommt. Um zum Chokri Kloster und zur Tsedön Klinik zu gelangen muss man links abbiegen um auf die andere Seite des Flusses zu kommen. Man fährt über die Dorfbrücke an der grossen weissen Stupa vorbei und fährt auf dieser Strasse weiter, bis man nach ca. 15 Minuten das imposante Kloster Chokri und weiter hinten die Tsedön Klinik erblickt.
Zur Entstehung der „Tsedön“- Klinik
Im Jahre 1986, nach 20 Jahren reisten unsere Eltern zum ersten Mal wieder in Ihre Heimat nach Tibet. Ihr Ziel war das Dorf Chokri (3700 m.über Meer), eines der rund 41 Dörfer, welches zur Präfektur Tehor in Ost-Tibet gehört. Was sie dort erleben, sollte fortan ihr Leben verändern. Das Kloster in Chokri, in welchem Dagsay Rinpoche als einer der Hauptlamas seit seiner Kindheit gewohnt hatte, war bis zu den Grundmauern zerstört. Nur noch einzelne Ruinen erinnerten an das Kloster. Die Bevölkerung war arm und hatte praktisch keine örtliche medizinische Versorgung. Als einziger der älteren Lamas, der überlebt hatte, betrachteten es unsere Eltern als ihre Pflicht und Aufgabe, das Kloster wieder aufzubauen und die medizinische Grundversorgung der Tibeter zu verbessern.
Im Jahre 1990 besuchten Rinpoche und Yischi das zweite Mal ihre Heimat und haben inzwischen den festen Entschluss gefasst, der Bevölkerung zu helfen, das Kloster Chokri wiederaufzubauen und eine Klinik zu bauen. Die Klinik soll den Namen „Tsedön“ Klinik erhalten. „Tsedön“ ist der zweite Name der Initiantin und bedeutet „Die lebenserhaltende Flamme“. Um überhaupt in Tibet ein solches Projekt angehen zu können mussten sie in der Schweiz mit der Chinesischen Botschaft Kontakt aufnehmen und eine Bewilligung einholen. Die Formalitäten brauchten lange und erforderten viel Geduld und Nerven. Schliesslich erhielten sie die offizielle Erlaubnis der Chinesen für beide Projekte. Rinpoche, von Beruf aus Bauzeichner entwarf und zeichnete persönlich die Baupläne für das Kloster und die Klinik. Es war für ihn wichtig, dass das Kloster seine ursprüngliche Form erhält. Die Klinik plante er ebenfalls im Tibetischen Baustil und sie verfügte auch über genügend Räumlichkeiten um eine Schule darin zu integrieren. Bei diesem Besuch fanden erste Verhandlungen mit den lokalen Behörden statt und man besprach die Projekte. Die ganze Bevölkerung freute sich über das Vorhaben und sicherte seine aktive Unterstützung zu.
Im Jahre 1993 fand die dritte Tibet-Reise statt. Rinpoche und Yischi konnten schon die ersten Räumlichkeiten des Klosters betreten, welche nach Rinpoche’s Plänen und Hilfe der Bevölkerung gebaut wurden. Der Wiederaufbau des Klosters ist voll im Gange. Für das Klinik Projekt wurden bei diesem Besuch drei junge Schüler des Dorfes ausgesucht, die eine dreijährige ärztliche Grundausbildung erhalten sollten. Die Kosten der vollständigen Ausbildung sowie des Lebensunterhaltes der Studenten wurden von unseren Eltern getragen. Wie überall in Tibet, gibt es in den abgelegenen Dörfern unterschiedliche Dialekte. So ist es von Vorteil, Leute aus der lokalen Bevölkerung auszubilden die nach Abschluss ihrer Ausbildung in ihre eigene Region zurückehren. Nicht nur in Tibet ermöglichten unsere Eltern die Ausbildung junger Tibeter sondern betreuten die ca. 80 jungen Mönche, die seit 1993 aus Tibet nach Indien geflohen waren um dort an den grossen Klosterzentren die Buddhistische Philosophie zu studieren.
Drei dieser Mönche haben nach 7-20 Jahre fleissigen Studiums ihre Geshe-Prüfung (Doktor der Philosophie) erfolgreich abgelegt und werden künftig nach Tibet zurückkehren und im wieder aufgebauten Kloster Chokri ihr wertvolles Wissen an die jungen Mönche von Chokri weitergeben.
Im Jahre 1996 reisten Rinpoche und Yischi zum vierten Mal nach Tibet. Dieses Mal wurden sie von verschiedenen Familienangehörigen aus der Schweiz begleitet, welche auch bei der Finanzierung der beiden Projekte grosszügig mitgeholfen hatten. Ein freudiges Ereignis bei dieser Reise ist, dass inzwischen die drei jungen Männer ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatten und in einem der provisorisch eingerichteten Räume bereits die ersten Patienten empfangen konnten. Um die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu haben, hat Rinpoche seit Beginn der Projekte begonnen in der Schweiz Kurse in Tibetischer Meditation zu erteilen. Den Menschen im Westen hat er auf diese Weise geholfen, ihren inneren Frieden und Ausgeglichenheit zu finden und den Menschen in Tibet haben Rinpoche und Yischi geholfen, das Kloster wieder aufzubauen und eine Klinik gebaut.
Eröffnung der Klinik
Im Jahre 1999 war es soweit. Bei ihrer fünften Reise in ihre Heimat wird ihr Bemühen, das über ein Jahrzehnt gedauert hatte belohnt. Das neue Kloster Chokri sowie die Klinik „Tsedön“ wurden am 16. Juli 1999 mit einem grossen Volksfest eröffnet und eingeweiht. Rinpoche und Yischi wurden dieses mal von über 30 Familienangehörigen und Schweizer Freunden begleitet, die beide Projekte während all den Jahren unterstützt hatten.